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Stiftung Gertrud von Saldern (seite 1 von 3)

Haben Sie gewusst,
dass 1252 an einem zunächst unbekannt gebliebenen Standort am St. Gotthardt-Kirchplatz die erste Schule Brandenburgs gegründet wurde, die so genannte "Gelehrtenschule" , auch Lateinschule genannt. 

 

Diese Gelehrtenschule diente zunächst nur dem kirchlichem Zweck in St. Gotthardt, sie lehrte Lesen, Schreiben und betrieb Übungen in der lateinischen Kirchensprache, Gesang etc. und stand unter der Leitung eines von der Kirche eingesetzten Schulmeisters.

 

Einer der namentlich bekannten Schulmeister war Claus Bredow, unter dessen Leitung vermutlich der Einzug der Schülerschaft in ein größeres, zweistöckiges Schulgebäude im Jahre 1385 erfolgte, welches gegenüber dem Kirchturm von St. Gotthardt stand.

 

lateinschule.jpg

 

Dieses Haus am heutigen Gotthardtkirchplatz Nr. 5 ist der Nachwelt in einem 1552 erfolgten Neubau erhalten geblieben und das bis auf den heutigen Tag. Es ist Brandenburgs ältestes ehemaliges Schulgebäude und auch der Vorgänger der Saldernschule.

 

1589 machte Frau Gertrud von Saldern, zu der Zeit Witwe des kurfürstlichen Oberkämmerers Matthias von Saldern, der Stadt Brandenburg zur Ehre Gottes und zur Erhaltung des evangelischen Wortes den Bischofshof am Gotthardtkirchplatz zum Geschenk.

 

Folgende Bedingungen waren an die Schenkung geknüpft:

  1. Der Hof sollte zu nichts anderem als zur Schule gebraucht werden
  2. Die Schule sollte "von Salderin - Schule" heißen
  3. Der Rat der Stadt sollte etwa 3 oder 4 Knaben vom Geschlecht der Stifterin auf dem Hofe ein Gemach und eine Wohnung einräumen und ihnen beim Rektor gegen Bezahlung einen Tisch verschaffen.
  4. Die reine evangelische Lehre des M. Luther sollte gepredigt werden, beim Abfallen von dieser sollte das Haus den Verwandten wieder zufallen.


Eine Steintafel mit dem Namen der Stifterin und dem Wappen derer "von Saldern" wurde über dem Portal des Gebäudes angebracht.Bevor der alte Bischofshof (ehemaliges Absteigequartier der Brandenburger Kirchenfürsten) für den Schulunterricht genutzt werden konnte, war ein umfangreicher Um - und Erweiterungsbau notwendig, welcher 1591 vollendet war.

 

Trotz zahlreicher Streitigkeiten, meist finanzieller Art, nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und unter tüchtigen Leitern gelangte die " S a l d e r i s c h e S c h u l e " zu großer Popularität und zahlreiche hoch gebildete, gelehrte Männer der Kirche und des Staates gingen aus ihr hervor.

 

Die wichtigsten Unterrichtsfächer waren:

Religion, Deutsch, Latein, Griechisch, Dialektik, Rhetorik, Musik und Geschichte.

Gewisse Höhepunkte des Unterrichtsbetriebes waren Aufführungen von Schulkomödien, deren erwünschte Wirkung sich im Bannen der jugendlichen Schüchternheit und der Hebung des Selbstbewusstseins der Knaben bewegte.

 

Die Schulzucht und Schulordnung wurden durch besondere Schulgesetze geregelt und es wurde äußerst streng auf die Einhaltung der Anordnungen geachtet. Zum Beispiel durfte im angesetzten Gottesdienst in der Kirche niemand fehlen; vor allem "sonntags und feiertags soll der Schüler nicht träger Ruhe pflegen oder schmausen und darüber die Kirche versäumen, sondern die Predigt andächtig hören und nachschreiben!"

 

Dass trotz aller Vorschriften der Jugendübermut seiner Fesseln spottete und sich manchmal austobte, wen mag das wundern bei dieser harten Disziplin der Schulgesetze. So klagt die Schulaufsicht im Jahre 1594, dass die Chorschüler "oft Privatconventikula halten, dadurch zum Geseuffe, Verschwendung des ersungenen Geldes etc. kommen, da sie auch wohl Bier auflegen, sich vollsaufen und in nachtschlafender Zeit die Straßen auf und nieder schwärmen und andere Leute stören in ihrer Ruhe."

 

In der Zeit von 1622 bis 1706 geriet die Saldria in eine Krise, sie war fast dem Verfalle nahe. Ständig wechselnde und nicht immer kompetente Rektoren und Lehrer, schwache Schülerzahlen, schlecht bezahlte Lehrkräfte (und daher keine tüchtigen) und endlose Streitigkeiten im Kollegium mit dem Inspektor und dem Rate zerrütteten die Schule.

 

1713 begann der Domherr von Brandenburg, der Herr Ludolf Ernst von Strantz, die Saldria zu begünstigen. Ein bedeutender Schulmann wurde zum Rektor berufen ( Joh. Casp. Carsted), Stipendien wurden wieder vergeben und später erfolgte auch der Ausbau der alten Gebäude.

 

Die Schule wuchs und gedieh! Es erfolgte bald ein starker Zufluss von Edelleuten, obwohl inzwischen eine "Ritterakademie zur Erziehung des jungen märkischen Adels" als Stiftung eingerichtet worden war. Trotz der baldigen Weisung, künftig keine Edelleute mehr aufzunehmen und sie an die Ritterakademie zu schicken, nahm die Schule weiter an Schülern zu und hatte 1736 wieder höchste Schülerzahlen.

 

Dieser Aufschwung hielt jedoch nicht allzu lange an und es wurde 1790 eine Kombination der Saldria ( inzwischen Lyceum) mit dem Neustädtischen Gymnasium beschlossen. Sie erhielt den Namen "Saldernsche Bürgerschule", bestehend aus der Altstädtischen Bürgerschule und dem Gymnasium in der Neustadt.

 

1817 war auch das wieder Vergangenheit und durch Ministerialverfügung vom 2. November 1817 wurde die "Saldernsche Schule" gänzlich vom Gymnasium getrennt und wieder zu einem selbstständigen Ganzen.

 

Ab 1818 nannte sie sich "Saldernsche höhere Bürgerschule" mit Unterricht in 4 Klassen. Die Schülerzahlen erhöhten sich. Die Einnahmen an Schulgeldern führten zur besseren Besoldung der Lehrkräfte.

 

1835 vereinigte sich die Saldria mit der Altstädt. Knabenschule, woraus sich jedoch durch die erhöhten Kosten und andere Schwierigkeiten kein Dauerzustand entwickelte.

 

1838/39 wurde die Altstädt. Knabenschule wieder von der Saldria getrennt. Zu Ostern eröffnete ein neuer Rektor die reorganisierte Lehranstalt der Saldria mit 6 Klassen, einem neuen Lehrplan und ausgesuchten Lehrern:

  1. einer Vorbereitungsschule mit 2 Klassen
  2. einer Professionistenschule mit 2 Klassen
  3. einer Realmittelschule mit 2 Klassen ihre Zöglinge für höhere Bildungsanstalten vorbereiten, dann aber auch sowohl für das niedere wie für das höhere gewerbliche Leben befähigen sollte.


Durch das Wachsen der Schülerzahlen von 209 im Jahre 1843 auf 347 im Jahre 1850 erreichte die Saldria nach über 200 Jahren erstmals wieder die Bedeutung wie zur ersten Blütezeit auf dem Bischofshof. Durch die Berufung von Fachlehrern (bedeutender Herkunft) wurde die Saldernsche Schule wieder als höhere Lehranstalt anerkannt und erhielt am 7. April 1852 den Namen "Realschule".

 

Da die Schule bald "aus allen Nähten platzte", wurde ein Schulneubau am Salzhof der Havel 1867 eingeweiht.