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Reise nach Polen – auf den Spuren von KZ-Häftlingen

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Vom 9. bis zum 14. Juni begaben wir uns auf eine aufregende und berührende Reise und haben uns im Rahmen unserer AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hautnah mit den Themen Nationalsozialismus, Holocaust und dem Konzentrationslager Auschwitz auseinandergesetzt. Wir waren eine Gruppe von 10 Schülerinnen und Schülern und wurden von Frau Görlitz und Frau Kuhr nach Polen begleitet, wo wir eine Woche lang intensive Workshops und Recherchen durchgeführt haben. Die Reise war ein Projekt der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim (dt. Auschwitz) in Kooperation mit den Arolsen Archives und wurde vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk gefördert. An dem Projekt nahmen auch eine polnische sowie eine ukrainische Gruppe teil, wodurch wir sehr vielfältige Perspektiven auf die Themen erhalten konnten. Die Jugendbegegnungsstätte (IJBS) Oświęcim bemüht sich seit Jahrzehnten insbesondere um ein besseres deutsch-polnisches Verhältnis nach den Verbrechen des 2. Weltkriegs und hat schon zahlreiche derartige Workshops durchgeführt, doch diesmal zum ersten Mal in zwei Teilen: einer im Ort Łańcut im äußersten Südosten Polens und einer in Oświęcim, wo sich das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befand. Beide Orte sind durch das Schicksal eines Mannes verknüpft, das uns am Ende zu einer großen Aufgabe geführt hat.

 

 

Zunächst reisten wir also in den Ort Łańcut, wofür wir fast ganz Polen durchqueren mussten. Aus diesem Ort stammte die polnische Gruppe, während die ukrainischen Schülerinnen und Schüler aus Kyjiw kamen, wo sie eine Schule mit dem Schwerpunkt Deutsch besuchen. Nach dem Kennenlernen ging es auch am nächsten Morgen gleich an die Arbeit. Wir wurden durchgehend von zwei Dolmetschern begleitet, denn es wurden Deutsch, Englisch, Polnisch und Ukrainisch gesprochen. Wir besuchten die örtliche Schule in Łańcut. Dort ist Tadeusz Szymański zur Schule gegangen. Tadeusz wurde als politischer Gefangener von 1941 bis 1945 in verschiedenen Konzentrationslagern gefangen, den größten Teil der Zeit in Auschwitz-Birkenau. Er überlebte, weil ihm bei seinem Transport nach Buchenwald die Flucht gelang. Nach dem Krieg setzte er sich für Versöhnung ein und war an der Gründung des Museums und der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau sowie der Jugendbegegnungsstätte beteiligt, in der wir den zweiten Teil der Woche verbracht haben. Seine Enkelin und seine Urenkelin waren in Łańcut anwesend und beschrieben Tadeusz als „unfähig, andere zu hassen“.

Am nächsten Tag besuchten wir im nahegelegenen Ort Markowa ein Museum über polnische Familien, die jüdische Menschen bei sich aufnahmen und versuchten zu retten. Es wurde nach Wiktoria und Jozefa Ulma benannt, die einer achtköpfigen jüdischen Familie ein Versteck boten. Alle, mitsamt der Familie Ulma und ihrer Kinder, wurden brutal erschossen. Menschen wie diese Familie wurden hart dafür bestraft, dass sie Menschlichkeit und Nächstenliebe zeigten.

Eine Nachbildung ihres Hauses und des Verstecks der jüdischen Familie im Museum verdeutlicht, auf welch engem Raum sie leben mussten und wie hart die Lebensumstände gewesen sein müssen.

Anschließend stellte die Delegation aus der Ukraine ihre Heimat vor und teilte ihre Gedanken zum aktuellen Leben im Krieg, wohlgemerkt komplett auf Deutsch. Es war eine wahre Bereicherung für uns, diese Geschichten aus erster Hand zu erfahren. Vom Vater an der Front zu Bombeneinschlägen in unmittelbarer Nähe und Nächten in überfüllten Bunkern und U-Bahn-Stationen.

In den letzten Stunden in Łańcut besuchten wir die Synagoge des Ortes. Früher hatte die Stadt eine große jüdische Bevölkerung, doch diese wurde fast vollständig ausgelöscht, weshalb die Synagoge nur noch als Museum dient. Dort erhielten wir Einblicke in jüdische Traditionen und Glaubensgrundsätze und haben viele Fragen stellen können.

 

Der zweite Teil unserer Reise begann und wir fuhren dafür nach Oświęcim und richteten uns in den Gebäuden der IJBS Oświęcim ein. Dort haben wir die nächsten Tage in einem Seminarraum gearbeitet, der nach Tadeusz Szymański benannt ist, der dort eine bedeutende Rolle gespielt hat. Er hat sich jahrzehntelang in Oświęcim engagiert und starb 2002 als freier Mann an dem Ort, an dem er einst unter unvorstellbaren Bedingungen gefangen war.

Unser Fokus lag dann auf dem Projekt „Stolen Memory“ der Arolsen Archives. Die Arolsen Archives beherbergen die größte Sammlung an Dokumenten und Gegenständen von Opfern und Betroffenen der Gewalttaten des Nationalsozialismus; über 30 Millionen Dokumente werden verwaltet. Außerdem sind noch tausende Gegenstände von KZ-Häftlingen in den Archiven vorhanden. Das Projekt „Stolen Memory“ will dafür sorgen, dass diese Gegenstände zurück nach Hause finden. Das Archiv wurde uns von den Mitarbeiterinnen Elżbieta Pasternak, Elisabeth Schwabauer und Anna Meier-Osiński vorgestellt und uns wurde gezeigt, wie man mit dem Archiv arbeitet. Es funktioniert wie eine typische Internet-Suche und man findet die gespeicherten Dokumente frei verfügbar im Archiv und kann Forschungen zur Person anstellen. Das haben wir am Beispiel von Tadeusz Szymański gemacht, um dann unseren eigenen Fall zu bekommen. Die Gruppen aus Polen, Ukraine und Deutschland haben jeweils eine Person ihrer Nationalität zur Bearbeitung vorgelegt bekommen. Nun war die Aufgabe, die Nachfahren dieser Personen zu finden.

Wir sind in ein richtiges Recherchefieber geraten und haben stundenlang an unserem Fall gearbeitet und viele Erfolge erzielt. Es handelt sich um einen Mann namens Leon Laufer, der in Bremen lebte und im Konzentrationslager Neuengamme festgehalten wurde; er wurde später für tot erklärt. Das Archiv verfügt über eine Uhr und einen Ring von Leon. Wir werden wohl noch lange mit diesem Fall beschäftigt sein und können der Familie hoffentlich die Gegenstände ihres Vorfahren überreichen.

In der Stadt Oświęcim haben wir aber noch einiges mehr erlebt, unter anderem haben wir eine Stadttour gemacht, bei der wir ehemalige Orte des jüdischen Lebens und die Synagoge mit dem sich dort befindlichen jüdischen Museum besucht haben. Der Ort war vor dem Holocaust stark vom Judentum geprägt, da es zwischenzeitlich sogar mehr Einwohner jüdischen Glaubens gab als Christen.

Am letzten vollständigen Tag unserer Reise ging es für uns ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und wir besuchten das Stammlager Auschwitz I sowie das Lager Auschwitz II (Auschwitz-Birkenau). Dort wurden zwischen 1940 und 1945 bis zu 1,5 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten ermordet.

Im Stammlager Auschwitz I wurden wir durch das Gelände und das Museum geführt, das sich in den alten Baracken des Lagers befindet. Dort haben wir einen Einblick in die Gebäude und das Leben der Häftlinge erhalten. Besonders berührend war es, die entwendeten Gegenstände der Häftlinge zu sehen. Den ankommenden Häftlingen im KZ wurde ihr gesamtes Eigentum abgenommen; viele wurden dann direkt in den Tod geschickt. Berge von Koffern, Haushaltsgegenständen, Kinderkleidung, Prothesen und sogar Haare, die den Häftlingen abgeschoren wurden, waren aufgehäuft. In einem anderen Gebäude befand sich das gewaltige „Buch der Namen“, in dem über vier Millionen Namen von Opfern des Holocaust zu finden sind. All das zeigt eindrücklich, wie viele einzelne Schicksale mit diesem Verbrechen verbunden sind.

Anschließend ging es zum Vernichtungslager Auschwitz II, bekannt als Auschwitz-Birkenau, das sich wenige Kilometer entfernt vom Stammlager befindet. In diesem Lager sind die meisten Morde zu verzeichnen, denn hier wurden allein Hunderttausende jüdische Menschen direkt nach ihrer Ankunft vergast.

Die einfachen Baracken aus Holz waren ursprünglich für Pferde konzipiert. Aber statt etwa 50 Pferden befanden sich bis zu 1000 Menschen in einer kleinen Holzbaracke. Die Lebensumstände waren unvorstellbar schlecht, denn es gab schlichtweg keine Hygiene, keine Privatsphäre, keinen Schutz vor Wetterextremen. Nicht selten haben 30 oder mehr Menschen in einem dreistöckigen Bett geschlafen.

Auch die Gaskammern und Krematorien haben wir gesehen. Der Gedanke, dass an der gleichen Stelle an der wir uns befanden abertausende Menschen grausam in den Tod geschickt wurden, war kaum zu ertragen. Es ist schockierend, dass Menschen zu so etwas fähig sind. Der Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz hat uns einmal mehr eine Botschaft vermittelt: nie wieder! Darum werden wir uns als Teil einer jungen Generation von Deutschen nun umso mehr bemühen, auch in unserer AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Nach einer nervenaufreibenden, aber produktiven Woche ging es dann zurück nach Brandenburg. Die Reise wird uns noch lange in Erinnerung bleiben und hat uns neues, wichtiges Wissen sowie eindrückliche Erfahrungen mitgegeben. 

 

Albert Wlodarski im Namen der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

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